20. Dezember 2009

Österreich: DVB-H in Turbulenzen

Fernsehen am Handy über DVB-H wird in Österreich seit Mitte 2008 angeboten. Bislang haben aber nur einige Tausend Österreicher über ihren Mobilfunkbetreiber das notwendige kostenpflichtige Abonnement abgeschlossen. Für den Betreiber der DVB-H-Sendeinfrastruktur Media Broadcast bedeutet das herbe finanzielle Verluste. Nun hat Media Broadcast den Vertrag mit den Mobilfunk-Netzbetreibern Orange, 3 und Mobilkom Austria zum Ende des Jahres 2010 gekündigt. Offen ist, ob damit das Ende von DVB-H in Österreich eingeleitet wird oder ob es den Beteiligten gelingt, neue Bedingungen auszuhandeln.



Orange-Chef Michael Krammer sieht den Grund für den ausbleibenden Erfolg darin, dass DVB-H in Österreich zu früh gestartet sei und keine anderen, größeren Länder schnell nachgezogen sind. Für den kleinen österreichischen Markt rechnen sich Entwicklung und Herstellung von Mobiltelefonen mit passendem DVB-H-Modul kaum. Der in Italien genutzte DVB-H-Standard ist inkompatibel. Entsprechend gering ist die Auswahl verfügbarer Endgeräte – das Nokia N96 ist zwar lieferbar, aber teuer. So hat Orange derzeit kein einziges DVB-H-Handy im Portfolio. Media Broadcast gehört dem Verband bmcoforum an, das Anfang Dezember die Handyhersteller zur Aktualisierung ihrer Produktplanungen aufgerufen hat.

Hoffnung setzen die Anbieter nun auf ein für März angekündigtes, günstigeres Nokia-Modell mit DVB-H. Dann soll noch einmal versucht werden, die Österreicher für das Fernsehen auf winzigen Schirmen zu begeistern. Marketingaktionen für DVB-H, etwa mit kostenfreien Schnupperangeboten, ergeben laut Krammer nur Sinn, wenn auch günstige Geräte zur Verfügung stehen. Dass es grundsätzlich Nutzer für Handy-TV gibt, beweist 3, dessen TV-Streaming über UMTS durchaus genutzt wird. "Das Interesse bei den Verbrauchern ist enorm", meint Media Broadcast.

Orange will eine Software bereitstellen, die den nahtlosen Übergang zwischen DVB-H und gestreamtem Programm über UMTS ermöglicht. Damit soll die Übertragung beim Verlassen der DVB-H-Netzabdeckung nicht mehr abreißen. Das österreichische DVB-H-Netz erreicht nur etwa die Hälfte der Einwohner Österreichs. Immerhin sind alle neun Landeshauptstädte erfasst.